Outback Abenteuer im Campervan Part II – Into The Wild!

19. Mai 2012. Von der Gruselstadt Katherine soll es am nächsten Tag ca. 670 km Richtung Süden gehen. Als Übernachtungsstation ist Tennant Creek angedacht. Wir drei Schlafmützen kommen mal wieder viel zu spät aus dem Bett (wie immer) und schaffen es grade noch, einmal ganz kurz in die heißen Quellen nahe des Campingplatzes zu springen. Danach geht’s ab on the road und gib ihm!
Gegen Mittag kommen wir in Daly Waters an, einem typischen Outback-Kaff mitten im Nirgendwo mit unglaublichen 25 (!) Einwohnern. Hier legen wir unsere Mittagsrast ein und besichtigen den ältesten Pub im Outback (die wohl einzige Sehenswürdigkeit auf 670 Kilometern). Mit unzähligen aufgehängten BHs, Flipflops, T-Shirts, Nummernschildern und allerlei Krimskrams von Reisenden aus aller Welt ist der Pub recht sehenswert und ein echtes Unikat!

Da Benzin in den kleinen Orten extrem teuer ist (ca. 2,40 anstatt 1,40 AU$/Liter), entschließen wir uns, den Camper hier nur halb voll zu tanken und darauf zu spekulieren, dass Sprit im nächsten Kuhkaff günstiger ist.
Ein fataler Fehler…

Da wir etwas spät dran sind und es aufgrund des Wildwechsels (Känguruhs, Kühe etc.) im Outback nicht empfohlen ist, im Dunkeln zu fahren, gebe ich ordentlich Gas. Die Strecke geht ja ohnehin schnurgeradeaus durch die australische Steppe und ich finde, man kann hier auch mal etwas schneller als 130 km/h fahren. Die Tanknadel bewegt sich bereits gefährlich weit nach unten, während die nächste Tankstelle noch meilenweit entfernt zu sein scheint. Ich beschließe, langsamer zu fahren und wir tuckern mit nur 80 Sachen über die einsame Landstraße, während Jenny uns panisch die Horrorstories erzählt, die sie von ihrer australischen Bekannten gehört hat: Gestrandete Backpacker im Outback, denen der Sprit ausgegangen ist, wurden von Aboriginals überfallen, ausgeraubt und umgebracht… Angeblich würde hier so etwas ständig passieren und nun haben wir hier unseren – auch noch selbst verantworteten – Worst Case! Bei unseren Planungen haben wir uns doch extra geschworen, an JEDER Tankstelle vollzutanken und IMMER auf sichere Campingplätze zu gehen!
Während Jenny kaum noch zum Spaßen aufgelegt, sondern mehr oder weniger den Tränen nahe ist, versuchen Yuri und ich sie zu beruhigen. Ich sehe uns zwar auch schon am Straßenrand nächtigen, doch in meiner naiv-heilen-Sina-Welt gibt es keine Überfälle. Mit dieser Einstellung bin ich die letzten neun Monate gut durch die Welt gekommen und sehe es gar nicht ein, dass es jetzt anders sein sollte! “I’m pretty sure that we’ll make it to the next petrol station…” sage ich fast ununterbrochen zu den beiden. Ein bisschen schuldig fühle ich mich ja schon, denn ich war diejenige, die anfangs zu schnell gefahren ist und ordentlich Sprit rausgehauen hat. Doch den Rest der Zeit bin ich nur 80 gefahren, von daher müsste es eigentlich passen… Ich bleibe optimistisch und bin davon überzeugt, dass wir es schaffen werden.
Dann kommt endlich ein Schild: “Elliott 5 km” – unsere Rettung! Die nächste Tankstelle ist zum Greifen nahe und selbst, wenn wir hier liegen bleiben sollten, könnte man sogar laufen und mit einem Kanister Benzin wieder kommen. Also alles gut!

Wir fahren in den Ort ein, die Tankstelle nähert sich… doch… alles ist dunkel… kein Mensch in Sicht! Neeeeeiiiin!! Es ist grade mal 19 Uhr – wie können die jetzt schon geschlossen haben, vor allem wenn die nächste Tankmöglichkeit hunderte Kilometer entfernt ist??!!!??
Das 350-Seelen-Dorf Elliott ist nicht grade ein symphathisches Fleckchen Erde. Es ist finster und im Dunkel der Nacht lauern an jeder Ecke pöbelnde, betrunkene Aboriginals. Wir parken direkt auf einem kleinen Rastplatz neben der Tankstelle und versuchen, uns möglichst leise zu verhalten, um bloß keine Aufmerksamkeit auf uns zu ziehen. Eine freundliche Frau weist uns daraufhin, dass es nicht sonderlich sicher ist, hier über Nacht stehen zu bleiben. Jenny ist immer noch ziemlich panisch und verängstigt und auch mir ist langsam nicht mehr so ganz wohl zumute. Wir beschließen, sicherheitshalber die örtliche Polizei zu informieren, dass wir hier gestrandet sind. Nur für den Fall, dass doch etwas passieren sollte… dann weiß zumindest schon mal jemand über unsere Anwesenheit Bescheid.
Die Polizeistelle ist komplett leer. Kein Mensch in Sicht. Wir gehen in den einzigen Laden des Ortes, in dem Licht brennt: Ein Pub, in dem sich immerhin schon mal 5 der gefühlten 50 Einwohner Elliott’s aufhalten. Wir werden zunächst komplett ignoriert. Als wir dann endlich von dem Wirt beachtet werden, bekommen wir nur ein grimmiges “What do you want?” zu hören. Wir klären ihn über unsere Notsituation auf und bekommen nur verständnislose, genervte Blicke von allen Seiten. Momentan sei keine Polizei im Ort (also keiner der zwei Polizisten)… Na, großartig, auch das noch! Aber immerhin dürfen wir kurz sein Telefon benutzen (denn wir haben hier im tiefsten Outback mit unseren Handys natürlich keinerlei Empfang!) und der Polizei auf den Anrufbeantworter sprechen.
Der Tankstellenbesitzer sitzt ebenfalls an der Theke und sieht es gar nicht ein, seine Tankstelle für 5 Minuten wieder aufzumachen. Man könnte meinen, Touristen seien hier nicht erwünscht, so wie die Herrschaften auf uns reagieren. Aber mal ehrlich: Wer wäre nicht deprimiert, wenn er in einem 350-Seelen-Wüstendorf leben würde, von dem der nächste Supermarkt schon hunderte Kilometer entfernt ist?! Ich frage mich ernsthaft, wie man hier überhaupt überleben kann! Ich würde EINGEHEN!
Frustriert trotten wir zu unserem Camper zurück und leiten sämtliche Sicherheitsvorkehrungen ein, die man so einleiten kann: Kein Licht, keine unnötigen Geräusche, es wird Brot gegessen anstatt zu kochen, das Gepäck schläft heute nicht auf dem Fahrersitz, sondern hinten bei uns, wir verriegeln alle Fenster und Türen und um 20:30 Uhr liegen wir zu dritt in unserem Bett und gucken den Film “The Hangover” auf meinem Laptop, um uns mit ein bisschen Bespaßung von der gruseligen Atmosphäre abzulenken. Heute sind wir wirklich froh, dass wir unseren israelischen Sicherheitsmann dabei haben!

Im Gegensatz zu Jenny, schlafen Yuri und ich ziemlich gut und fast pünktlich zur Öffnung der Tankstelle um 7 Uhr sind wir wach. Nach dem Frühstück waschen Jenny und ich unser Geschirr auf dem Tankstellenklo ab. Hier treffen wir eine nette ältere Deutsche, die uns doch tatsächlich erzählt, dass sich hinter dem Haus ein Campingplatz befindet und dass die Toilette die ganze Nacht geöffnet war! Wir können kaum glauben, dass uns das gestern Abend vorenthalten wurde. Schön dass wir immer im Busch auf Klo waren, wo akute Schlangengefahr herrscht. Großartig!
Jenny und ich sind noch völlig empört über die Unhöflichkeit der Einheimischen, da kommt eine andere Frau ins Bad und ist völlig verärgert, weil wir unser Geschirr auf der Toilette waschen (die im Übrigen sowieso total verdreckt ist). Wenig später kommt ein Mann rein und sagt, wir sollen sofort mit unserem Geschirr woanders hingehen. Was ist denn bloß den Menschen hier über die Leber gelaufen? Wie kann man sich denn ernsthaft über solche Lapalien ärgern?? Wir verstehen die Welt nicht mehr und als wir zurück zu unserem Camper gehen, werden wir doch tatsächlich ein drittes Mal angemacht, warum wir denn das Geschirr auf der Toilette gewaschen hätten. Geht’s noch, Leute??! Hab ihr denn in f*** Elliott nix anderes zu tun, als euch über solche Nichtigkeiten aufzuregen??!! Ich habe noch nie so viele unfreundliche Menschen auf einem Haufen gesehen! Einfach unglaublich!
Zum Glück hat Yuri bereits voll getankt und wir können dieses ätzende Outback-Kaff endlich verlassen!

F*** off Elliott! Auf nimmer Wiedersehen!!!

DIE Tankstelle in Elliott… f*** off!

Heute sind wir endlich mal früh on the road! Um 8:40 Uhr fahren wir los. Heutige Endstation: Alice Springs in der Mitte des australischen Kontinents. Auf dem Weg liegen die Devils Marbles (Murmeln des Teufels) – eine heilige Stätte der Aboriginals, die mehrere tausend runde Granitfelsen umfasst. Ein guter Ort für einen kurzen Fotostopp.


Da wir unser Tagesziel gestern nicht erreicht haben, sind heute satte 760 km zurückzulegen. Die Strecke zieht sich ewig lang schnurgeradeaus durch das rote Land. In unserer durch die gnadenlose Langeweile hervorgerufenen Verzweiflung kommen wir nur auf dumme Gedanken, um die Fahrtzeit totzuschlagen. Es fängt eigentlich ganz harmlos an, indem wir zunächst sinnlose Kinderspiele spielen. Als dann auch das zu langweilig wird, beginnen wir, allen uns entgegenkommenden Autos und Trucks hysterisch wie von der Terantel gestochen zuzuwinken. Yuri wandelt das Spiel später von “hysterisch winken” in “Stinkefinger zeigen” um. Nicht sehr freundlich, doch in unserer verzweifelten Langweile amüsieren wir uns köstlich und bekommen einen Lachanfall nach dem anderen. Die Krönung setzt unser israelischer Mitbewohner dem Ganzen auf, indem er seinen nackten Hintern an die Windschutzscheibe presst. Jenny und ich hängen derweil vor Lachen fast im Fußraum… das Gesicht des Truckfahrers war einfach zu komisch!
Den Rest der Zeit verbringen wir mit singen und schunkeln in der Fahrerkabine, bevor wir dann gegen 17 Ur endlich in Alice Springs ankommen. Bei Einfahrt in den Ort passiert etwas Wundervolles: Uns leuchtet ein großes, goldenes ‘M’ entgegen…aaahhh, hier gibt es einen McDonald’s!! Wir drei flippen fast aus vor Freude! Noch nie habe ich mich so über einen Cheese Burger und ein Softeis gefreut! Nach Tagen im Busch ist es wieder das erste Anzeichen von Zivilisation.

Nach einer kleinen Snackpause fahren wir auf unseren heutigen Campingplatz und dieser bietet mehr auf, als wir uns je hätten erträumen können! Er ist tiptop sauber und es gibt zwei riesige Hüpfkissen, auf denen wir uns erstmal ordentlich austoben (das Schild, dass man nur bis zu einer Körpergröße von 1,20 m hier drauf darf, ignorieren wir mal gekonnt). Ganz besonders beeindrucken uns aber die Bäder. Super sauber mit Heizung (ja, es wird leider Winter in Australien!), konstant heißem Wasser und das Highlight: Ein GANZKÖRPERSPIEGEL! Ja, man glaubt es kaum, aber nach einer solch langen Reisezeit, freut man sich darüber, sich ab und an mal wieder in einem großen Spiegel betrachten zu können, denn sie sind in der Regel eine absolute Rarität. Jenny und ich beschließen, heute mal einen ausgiebigen Beauty-Abend mit allem Drum und Dran einzulegen und melden uns bei Yuri für die nächsten 1,5 Stunden ab. Wir genießen unsere ausgiebige Dusche mit kontinuierlich heißem Wasser (sonst gibt es immer nur fürchterliche Wechselduschen), widmen uns der Entfernung unerwünschten Haarwuchses, gönnen unserer Kopfbehaarung eine Kur und freuen uns darüber, dass wir nach der Dusche eine wärmende Heizung haben. Zum ersten Mal nach einer Woche schminken wir uns mal wieder und fühlen uns endlich wieder wie Menschen. Gut gelaunt hüpfen wir zurück zu unserem Camper, wo unser Yuri schon genervt auf uns wartet. Er findet unsere Beauty-Aktion ziemlich übertrieben, aber wir finden uns super und das ist doch die Hauptsache :D

Die nächste Nacht ist mit 1°C wohl die kälteste, die ich seit neun Monaten erlebt habe. Eingepackt mit langer Hose, dickem Pullover und Mütze wache ich am nächsten Morgen durch meine fast abgefrorene Nase auf. Zum Glück sind unsere Schlafsäcke warm genug, doch mag man kaum ein Körperteil herausstrecken. Yuri ist im oberen Bett fast erfroren, denn hier ist es, als schliefe man im Zelt. Da sind keine isolierenden Autowände, die wenigstens minimal Wärme speichern. Wir Mädels quängeln, dass wir nicht aufstehen wollen, weil es zu kalt ist, und Yuri erbarmt sich netterweise zum Tee kochen. Trotz klirrender Kälte sind wir alle Drei recht gut drauf und blödeln beim Frühstück im Bett mal wieder ziemlich rum. Ein Lachanfall jagt den nächsten und wir kommen – wie immer – mal wieder später los als wir uns vorgenommen hatten (ich frage mich mittlerweile, warum wir uns überhaupt immer vornehmen, früh loszufahren, wenn wir es doch nie schaffen). Aber ist ja auch nicht schlimm – schließlich sind wir hier im Urlaub und nicht auf der Flucht und ein bisschen Spaß muss eben sein.

Abspack beim Frühstück

Am Vormittag besichtigen Jenny und ich die “Royal Flying Doctors”- Basis in Alice Springs. Ganz schön toll, was die Mitarbeiter dort leisten! Im Durchschnitt 106 Menschen werden am Tag in ganz Australien von ihnen gerettet. Ein Flug mit Behandlung kostet zwar 16.000 AU$, doch dies würde sogar von unserer Auslandskrankenversicherung übernommen werden.

Gegen späten Nachmittag kommen wir am berühmten Kings Canyon an und machen einen Kurzwalk durch die Schlucht, der uns irgendwie nicht so ganz umhaut. Da es bereits dunkel wird,entschließen wir uns, morgen den langen Kings Canyon Walk zu machen – in der Hoffnung, dass es dort mehr zu sehen gibt.
Am Abend braten wir uns lecker Känguruh Steak auf dem Campinggrill und müssen dieses doch tatsächlich gegen steunende Dingos verteidigen. Wir haben die Wildhunde ja schon öfters nachts heulen hören, doch so nah wie hier sind sie uns noch nie begegnet. Ein bisschen gruselig finden wir das ja schon. Wir essen schnell auf und bringen die Essensreste in sicherer Entfernung in die Mülltonne.
Gegen 23 Uhr gehen wir ins Bett und quatschen noch etwas im Campervan bis sich unsere Damen und Herren Nachbarn mal wieder über uns beschweren. Ich verstehe nicht, was wir falsch machen. Ständig beschweren sich die anderen Camper über uns, dass wir zu laut seien, nur weil wir nicht solche Langweiler sind, die schon um 21 Uhr im Bett liegen. Naja, wir sind eben keine Profis und das wollen wir, nachdem wir die Mentalität der Campingplatz-Camper kennengelernt haben, auch gar nicht mehr werden. Doch Wildcampen ist hier eben auch nicht ganz ungefährlich.

Nach einer weiteren eisigen Nacht im Outback geht es am nächsten Tag auf großen Kings Canyon Marsch, der im Reiseführer mit vier Stunden angesetzt ist. Wir schaffen ihn in zwei, inklusive ausgiebiger (und natürlich obligatorischer) Fotosession von Jenny und mir. Der Kings Canyon liegt im ca. 72.000 ha großen Watarrka Nationalpark und ist die größte Schlucht im Outback. Die bis zu 200 m hohen Sandsteinwände bieten zum Teil schwindelerregende Ausblicke. Sehr beeindruckend!

Kings Canyon – ganz schön steil!

 


Hinterher geht es weiter ca. 400 km Richtung Uluru (Ayers Rock), DER Hauptattraktion im Roten Zentrum. Die Langeweile während der Fahrt schlagen wir erfolgreich mit gekonnten Dance-Abspack-Moves tot – so macht Autofahren doch Spaß! Während Yuri hinten im Van vergebens versucht ein Nickerchen zu halten, reißen Jenny und ich mit der legendären Ibiza-Schrammel-Mucke fast die Fahrerkabine ein. Yuri gibt das Schlafen auf und dreht ein paar ziemlich witzige Videos von uns, die jedoch leider nicht dazu vorgesehen sind, hier im Internet veröffentlicht zu werden.
Pünktlich zum Sonnenuntergang kommen wir am Ayers Rock an. Satte 25 AU$ pro Person kostet hier der Eintritt in den Nationalpark. Alles nur um einen Berg mitten im Nichts zu sehen! Aber gut, jetzt sind wir schon mal hier, dann müssen wir uns den heiligen Berg auch mal von Nahem ansehen.
Die Region um den Uluru ist derart touristisch, dass es sogar ausgewiesene “Sunrise-” und “Sunset-Carparks” gibt. Wir stellen uns also brav zu all den anderen Touris auf den Sonnenuntergangs-Parkplatz und warten ab. Es ist schon ein kleines Spektakel wie sich die Farben und Schattierungen des Berges im Licht der untergehenden Sonne verändern. Auch der wolkenlose Himmel gibt her, was er kann: Er verfärbt sich von blau immer mehr und mehr in rötlich-orange bis gelb während der Uluru uns in strahlendem Rostorange entgegen leuchtet und das Fotomotiv somit perfekt macht.

“Der Ayers Rock ist 348 m hoch, seine Länge beträgt 3,4 km und hat einen Umfang von 8,8 km. Er besteht aus Sandstein und aus Konglomeraten, die im Laufe von Jahrtausenden durch tektonische Bewegungen stark gekippt worden sind. Die rostrote Farbe rührt vom relativ hohen Eisengehalt des Gesteins her. Starke Temperaturgegensätze, Wasser und Wind setzten dem großen Felsen im Laufe der Zeit sehr zu. Allmählich entstanden Klüfte, Kerben und an einigen Stellen richtige Hohlräume. Die oxidierenden Eisenminerale sorgen je nach Sonnenstand für ein überaus faszinierendes Farbenspiel. Am besten ist das Farbenspiel bei Sonnenuntergang, wenn sich der Monolith fast glutrot vom dunklen Hintergrund abhebt, am besten zu beobachten von der Sunset Viewing Area aus, die sich zwischen Fels und Resort befindet. Selten, aber kaum weniger eindrucksvoll ist er bei Regen, dann erscheint er metallisch glänzend und schwarzgrau und weiß leuchtet dann die Gischt der vom Felsen stürzenden Wassermassen.” [Quelle: http://www.australien-panorama.de

Die Sonne ist fast weg und der Berg wird langsam dunkler

Nach gefühlten 100 Kameraklicks ist die Sonne dann auch gänzlich verschwunden und die Massen bewegen sich Richtung Campingplatz oder Hotels (beides ist hier im Übrigen ganz schön überteuert).
Auf dem Campground finden wir endlich mal ein ruhiges Eckchen, wo wir so laut sein können wie wir wollen ohne dass sich nervige, spießige Nachbarn beschweren. Wir gönnen uns  nochmal ein kleines Barbecue und schauen danach einen Film im Van, da die Temperaturen nachts im Outback fast bis zum Gefrierpunkt sinken und man es draußen leider nicht sonderlich lange aushalten kann.

Am nächsten Morgen ist wirklich mal frühes Aufstehen angesagt, denn der Sonnenaufgang lässt nicht auf sich warten. Um Punkt 6 Uhr heißt es “Get up, get up, get up!” Wegen der Kälte schlafen wir mittlerweile alle Drei zusammen im Doppelbett und einer nach dem anderen pellt sich verschlafen aus seinem Schlafsack. Um sich umzuziehen, ist es hier eindeutig zu kalt. Die Badezimmer sind leider nicht annähernd beheizt, sondern im Gegenteil ‘ziemlich gut belüftet’, sag’ ich mal. Allein die Vorstellung, meinen Pullover oder mich gar GANZ auszuziehen, lässt mir einen eiskalten Schauer den Rücken herunterlaufen und ich spüre schon jetzt wie sich eine imaginäre Erkältung in mir breit macht. So werden eben nur schnell die Zähne geputzt, kurz Wasser ins Gesicht geklatscht und los geht’s mit Schlafsachen und Flipflops mit Socken. Wir sind mittlerweile eben doch RICHTIGE Camper!

Auf dem “Sonnenaufgangs-Parkplatz” treffen wir die gleichen Leute wieder, wie am Vorabend auf dem “Sonnenuntergangs-Parkplatz” plus zig Japaner in Schlafanzügen. Wir sind froh, dass wir hier nicht die einzigen Assis sind, denen es zu kalt zum Umziehen war. Für Außenstehende müssen all die Pyjama-Freaks aber ein ganz schön witziges Bild abgeben.
Ausser dass wir nun an der anderen Seite des Berges stehen und somit eine andere Kulisse vor uns haben, sehe ich keinen großen Unterschied zwischen den Sonnenuntergangs- und Sonnenaufgangsfarben. Beides ist schön, doch dafür sehen wir auf den Fotos um 7 Uhr morgens noch ziemlich zerknautscht aus. Dementsprechend dauert die Fotosession diesmal auch nur 5 anstatt 50 Minuten.

Zerknautschte Sina um 7 Uhr morgens

Auch wenn es für manch einen Touristen “nur” ein Berg im Nichts ist, stellt der Uluru für die australischen Ureinwohner ein absolutes Heiligtum dar. Der 126.000 ha große Nationalpark wurde erst im Jahre 1958 als solcher erklärt. Aufgrund der Wichtigkeit des Berges für die Mythologie und Kultur der Aboriginals wurde dieser 1985 an die Pitjantjatjara-Aboriginals zurückgegeben, wohingegen diese den Berg im Gegenzug für 99 Jahre an die Australian National Park & Wildlife Services zur touristischen Nutzung verliehen haben. Verwaltet wird der Park also gemeinschaftlich von Ureinwohnern und dem Park Service. Leider können Touristen den Ayers Rock auch bestiegen. Es ist nämlich nicht verboten, jedoch höchst unerwünscht. Überall im Gebiet und bei der Touristeninformation stehen Schilder, auf denen die Aboriginals darum bitten, den Berg aus Respekt vor ihrer Kultur nicht zu besteigen. Es gibt jedoch immer wieder Touristen, denen das völlig egal ist.
Im Kulturzentrum des Parkes machen wir eine besonders interessante Entdeckung: Dort gibt es einen Ordner mit sogenannten “Sorry Letters”. Menschen, die zu Besuch am Uluru waren und Gesteinsbrocken o.ä. haben mitgehen lassen, entschuldigen sich schriftlich und in aller Form für ihre Tat und haben teilweise eine ganze Menge Steine zurück geschickt. Viele sind der Meinung, dass sie, seitdem sie den Stein besitzen, nur noch von Unglück heimgesucht werden. Viele Briefe sind auch aus Deutschland und teilweise wirklich amüsant zu lesen.

Nach dem Sonnenaufgang bauen wir auf dem “Sonnenaufgangs-Parkplatz” unsere Campingmöbel auf und frühstücken erstmal in entspannter Runde. Danach geht’s wieder on the road und knapp 450 km zurück nach Alice Springs, wo wir heute eigentlich unseren Camper abgeben müssen. EIGENTLICH… Warum eigentlich? Wir sind mal wieder zu spät (wir werden es auf dieser Campertour auch nicht mehr hinbekommen in time zu sein!) und kommen kurz vor Geschäftsschluss bei der Britz Camper Filiale in Alice Springs an. Unser fahrbares Haus ist noch nicht einmal sauber gemacht, Geschirr ist noch schmutzig und ein Teil muss repariert werden. Glücklicherweise haben wir eine besonders nette Ausführung der Mietwagenfirma-Angestellten erwischt. Anstatt uns eine Reinigungsgebühr zu berechnen schlägt sie uns vor, den Van doch für unschlagbare 42 AU$ noch eine Nacht zu behalten. Wir finden die Idee plötzlich ziemlich klasse und fragen uns, warum wir da nicht schon eher drauf gekommen sind, denn es ist günstiger als ein Hostel.

Am Abend fahren wir also wieder auf unseren Lieblings-Campingplatz (der mit der Heizung und dem Ganzkörperspiegel im Bad), legen noch einen Beautyabend ein und feiern unsere kleine Abschiedssause bis wir um 3 Uhr von der Nachtwache verwarnt werden. Ups… waren wir etwa schon wieder zu laut??!!

Hach, war das schön! :)

Am nächsten Tag bringt Yuri uns zum Flughafen – Abschied nehmen ist angesagt. Für Jenny und mich geht es jetzt weiter nach Brisbane an der Ostküste, Yuri macht sich auf den Weg nach Melbourne und dann zurück nach Israel. Wir sind alle etwas traurig, denn wir waren wirklich eine tolle mobile Wohngemeinschaft! Nach 11 Tagen, 264 gemeinsamen Stunden und über 3000 gefahrenen Kilometern waren wir ein eingespieltes Team und hätten wohl noch Wochen so weiter reisen können. Schade, dass es schon vorbei ist, doch es warten bereits neue Abenteuer auf uns!

Danke, Jenny und Yuri – ich hatte eine fantastische Zeit mit euch beiden!!! Lang nicht sooo viel gelacht :D

Bildergalerie | Dieser Beitrag wurde unter Australien, Northern Territory, Reise Blog veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

13 Antworten zu Outback Abenteuer im Campervan Part II – Into The Wild!

  1. blog.48bits.com schreibt:

    Excellent site you have got here.. It’s difficult to find excellent writing like yours these days. I really appreciate individuals like you! Take care!!

  2. Sina schreibt:

    That’s nice to hear! Thank you :)

  3. Kassie schreibt:

    What’s up everyone, it’s my first pay a visit at this site, and piece of writing is in fact fruitful in favor of
    me, keep up posting such posts.

  4. Tony schreibt:

    Very nice post. I simply stumbled upon your blog and wanted to say that I’ve truly loved surfing around your weblog posts. In any case I’ll
    be subscribing for your rss feed and I’m hoping you write once more very soon!

  5. Sina schreibt:

    Thanks! Great to hear that from so many people :)
    But to be honest I’m still wondering how you guys read my blog…do you put it in google translator??

  6. Hi there to every body, it’s my first pay a quick visit of this website; this blog carries amazing and genuinely good information in support of readers.

  7. Pamela schreibt:

    I’d like to thank you for the efforts you have put in writing this blog. I really hope to see the same high-grade blog posts by you later on as well. In fact, your creative writing abilities has motivated me to get my own site now ;)

  8. Pattaya Rugby schreibt:

    When I originally left a comment I appear to have clicked the -Notify me when
    new comments are added- checkbox and from now on every time a comment is added I recieve 4 emails with the same comment.
    Perhaps there is a means you can remove me from that service?
    Thank you!

  9. Bangkok girls schreibt:

    It’s perfect time to make a few plans for the future and it’s time to be happy.

    I have read this submit and if I could I want to recommend you few fascinating things or
    tips. Perhaps you could write next articles regarding this article.
    I desire to read even more things approximately it!

  10. Domenic schreibt:

    I got this web page from my pal who told me on
    the topic of this site and now this time I am browsing this site and reading very
    informative posts at this place.

  11. Hello there, I discovered your website by the use of Google even as searching for a similar subject, your website came up, it seems good.
    I have bookmarked it in my google bookmarks.

    Hi there, simply was aware of your weblog via Google, and found that it’s really informative. I am gonna be careful for brussels. I will be grateful in the event you proceed this in future. Lots of people can be benefited out of your writing. Cheers!

  12. Nice replies in return of this query with real arguments and telling the whole thing about that.

  13. Hi everyone, it’s my first visit at this web page, and post is genuinely fruitful in support of me, keep up posting these types of posts.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s